Reflex 2008|29

Ausgabe (PDF 688 KB)

Editorial
Annegret Hofmann

Aktuelles

Neues aus der Wissenschaft
Warum Muskeln wachsen
Kraftplus durch Hormone

Themen der Zeit
Die Muskel-Detektive

Im Fokus
Doppelt gemoppelt …

Technologie und Training
Berlins schnellste Party

Kolumne
Mordstraining

Alle Endorphine dieser Welt

Sie läuft und läuft und läuft – Loredana Kindt liebt das Besondere und geht gerne an ihre sportlichen Grenzen. Weil selbst ein Marathon der Berlinerin dafür nicht mehr reicht, macht sie sich bei Kieser Training für ihre Extremläufe fit.

«Ich bin eigentlich der unsportlichste Typ, den man sich vorstellen kann!» Das sagt lachend eine, die in ihrer Läuferinnen-Biografie mittlerweile ein Rennen vorweisen kann, das in Läuferkreisen Kultstatus genießt: Den GutsMuths-Rennsteiglauf bezwang Loredana Kindt im Mai 2008 in rund neuneinhalb Stunden. Der Super-Marathon über 72,7 Kilometer führt als Europas größter Crosslauf durch den Thüringer Wald und lockt mit seinen berüchtigten Mittelgebirgshügeln Abenteuerlustige auf die tückische Strecke. «Der Rennsteiglauf ist ziemlich hart und auf den letzten Kilometern muss man nicht nur gegen die Gedanken des Aufgebens ankämpfen, sondern auch gegen die schweren Beine», erinnert sich die 35-Jährige an ihre Gefühle während des Laufes zurück. Das ständige Bergauf- und Bergablaufen fordert Kopf und Körper; nur mit Ausdauer kommt man auf der anspruchsvollen Strecke nicht weit. «Für die Steigungen braucht man sehr viel Muskelkraft – ohne mein Kieser Training hätte ich es wahrscheinlich nicht gepackt.»

Für die Hügel-Tortur bereitete sich Loredana Kindt drei Monate lang bei Kieser Training in Berlin-Steglitz vor – konsequent zwei- bis dreimal in der Woche neben dem drei- bis fünfmaligen Lauftraining. Dabei hatte die Krankenschwester nach etlichen Fehlversuchen eigentlich keine Lust mehr auf Krafttraining: «Fitnessstudios haben mich immer gestresst. Die vielen Wiederholungen, der Zeitaufwand, die dauernde Musikberieselung und das Gefühl, dass man dabei auch noch möglichst gut aussehen soll.» Bei Kieser überzeugten sie das Konzept, die Betreuung und die Ruhe sowie die Konzentration auf das pure Training. «Dieses Wohlfühl-Training gebe ich nicht mehr auf; es ist für mich genau das Richtige. Ich brauche nur eine halbe Stunde und das Faszinierende daran ist, dass es trotz des geringen Zeitaufwandes so viel bringt – ohne sich abzukämpfen.»

Dabei profitiert die Läuferin nicht nur vom Muskel-Plus für kraftzehrende Anstiege, sondern auch von schnelleren Beinen. Und nebenbei freut sich die Mutter von zwei Kindern über schwindende Problemzonen und die Effekte für ihre Figur. Auf dem Trainingsplan von Loredana Kindt stehen vor allem Maschinen zur Kräftigung der Oberschenkel-,Waden- und Rückenmuskulatur. Probleme mit dem Bewegungsapparat kennt die Sportlerin nicht. Selbst nach Marathonläufen kommt sie ohne Rückenschmerzen oder Gelenkbeschwerden ins Ziel – Grundvoraussetzung für ihre größte Motivation: «Es macht mir einfach Spaß, meine Grenzen auszutesten. Was kann mein Körper, was kann er nicht? Aber ich bin nicht der Typ, der sich nur quält. Der Spaß an der Bewegung steht immer im Vordergrund.»

Die große Lauflust packte die Berlinerin zum ersten Mal vor zwei Jahren – damals absolvierte sie trotz Achillessehnenbeschwerden ihren ersten Marathon in der Hauptstadt. Dabei wollte sie ursprünglich nur joggen, um den Kopf ein wenig freizupusten. Ein Jahr später trabte sie die rund 42 Kilometer durch Hamburg und einen Ultramarathon von 76,7 Kilometern. «Die Strecke rund um den Müritzsee war im Gegensatz zum Rennsteiglauf flach», vergleicht Loredana Kindt ihre beiden Extremläufe. «Ich habe nicht ein einziges Mal daran gedacht aufzuhören. Als ich durchs Ziel lief, hatten sich alle Endorphine der Welt in mir versammelt.»

Dieses Glücksgefühl macht süchtig und so peilt sie mit der guten Unterstützung des Kieser Trainings im Rücken in den nächsten Jahren weitere Laufabenteuer an: einen Untertage-Marathon in einer stillgelegten Mine, ein 5-Tage-Rennen rund um den Bodensee und einen 320-Kilometer- Lauf von Berlin nach Usedom. Für 2009 steht selbstverständlich wieder der Rennsteiglauf im Terminkalender – diesmal sollen die Beine noch flotter unterwegs sein. Und dann träumt die Extremläuferin von einem Ultramarathon durch die jemenitische Wüste oder bei Minustemperaturen durch Kanada. Für die laufende Suche nach dem Kick hat Loredana Kindt eine einfache Erklärung: «Ich liebe die Extreme und suche das Besondere. Man rennt immer weiter und überwindet Kilometer für Kilometer.» Und nebenbei bleibt sogar die eigene Unsportlichkeit auf der Strecke.

Interview: Michaela Rose