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Reflex 2008|30
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Editorial
Werner Kieser
Aktuelles
Kieser-Schnuppertraining
Neues aus der Wissenschaft
Das Methusalem-Training
Themen der Zeit
Fingerspitzengefühl statt Drehtür-Medizin
Im Fokus
Beim Kreuze eines Ritters
Technologie und Training
Wider die Einseitigkeit
Kolumne
Sündenfrei im Kieser-Kloster
Kettenreaktion dank kräftigem Rücken
Flotte Beine, das Gefühl für den Ball und eine starke Rückenmuskulatur – nach Ansicht von Geoffrey Mackay müssen Tennisspieler von den Fuß- bis zu den Fingerspitzen fit sein. Der australische Ex-Profitrainer gibt uns einen Geheimtipp mit auf den Platz.
Mr Mackay, für die Blessuren von Tennisspielern besitzen Sie ein gutes Händchen ... Nun, ich habe als Cheftrainer 14 Jahre lang die australischen Tennisspieler betreut und war verantwortlich für das Rehabilitations-, Konditions- und Krafttraining der verletzten Spitzensportler. Diese Arbeit hat mich rund um den Globus zu fast allen Grand-Slam-Turnieren reisen lassen. So habe ich viele der internationalen Topspieler kennengelernt und betreut. Wir haben gehört, dass Sie sogar Andre Agassi flotte Beine verpasst haben? Ja, ich habe ihn bei seiner Vorbereitung auf die Australian Open während seiner letzten Tour unterstützt und dabei auch viel Zeit mit seiner Frau Steffi Graf verbracht, die ich als Tennisspielerin immer bewundert habe. Zu dem Zeitpunkt war sie keine Profispielerin mehr und schon Mutter von zwei Kindern, aber trotzdem noch enorm fit. Ich habe ihr bei ihren chronischen Verletzungsproblemen geholfen. Für Steffi Graf und ihre Familie gehören Training und Gesundheit einfach zum täglichen Leben. Von der Ernährung über das Ausdauertraining bis hin zum Krafttraining war alles akribisch geplant und wurde mit Leidenschaft betrieben. Wen betreuen Sie heute? Ich habe mich aus dem internationalen Sportgeschehen zurückgezogen. Einen Teil meiner Zeit verbringe ich als Elternteil zweier sehr aktiver Kinder, den anderen Teil als Chef eines Teams von Physiotherapeuten, die auch Nationalmannschaften betreuen. Mit 48 gehöre ich wohl eher zum «alten Eisen» – zumindest erzählen mir meine Mitarbeiter ständig, dass heute alles ganz anders ist als zu «meinen Zeiten». Das klingt, als ob sich der Tennissport radikal verändert hätte. Es geht doch aber immer noch darum, den Ball auf die andere Seite des Netzes zu bugsieren... Im modernen Tennis wird unter den immer gleichen Bedingungen gespielt – die Tennisanlagen sind optimiert, alle spielen auf demselben Belag mit derselben Ausrüstung und werden von den gleichen Schiedsrichtern beurteilt. Der Einfluss von außen auf die Leistung eines Tennisspielers ist minimal. Gewinner wird derjenige, der sein herausragendes Können über das ganze Spiel durchhalten kann. Also doch die Sache mit dem Ball und der anderen Spielfeldhälfte ... Spieler müssen zwar viele Dinge berücksichtigen wie z.B. die Richtung, den Aufprall oder die Geschwindigkeit des Balles, aber entscheidend ist die Fitness, da ein Spieler rechtzeitig die richtige Schlagposition erreichen muss. Mit zunehmender Ermüdung verschlechtert sich die Technik und es schleichen sich Fehler ein. Ein guter Spieler ermüdet langsamer. Dann hätten wir doch nun gerne Ihren Rat: Was macht ein müdes Match munter? Je kräftiger man ist, desto besser kann man spielen – und desto mehr Spaß hat man dabei. Schließlich kann man sich so auf dieTechnik konzentrieren und das eigene Spiel verbessern. ImTennis spielt die Schnelligkeitsausdauer eine herausragende Rolle – die Spieler müssen sich nach jedem Spurt zum Ball sehr schnell erholen. Umein ganzes Spiel durchzuhalten, brauchtman viel Kraft und Ausdauer. Haben Sie einen Geheimtipp für uns? Die Schlagkraft eines Spielers kommt dank Impulsübertragung aus den Beinen. Zuerst braucht man also Beinkraft, um über den Platz zu flitzen. Dann eine gute Rücken- und Bauchmuskulatur, die den Kraftimpuls aus den Beinen über Schulter und Arm zum Schläger überträgt. Deshalb muss auch die Schulter gut stabilisiert sein. Letztendlich verbessert ein Krafttraining dieser Bereiche die Schlagkraft eines Spielers. Unverzichtbar ist dabei eine kräftige Rückenmuskulatur – insbesondere starke tiefe Rückenstrecker. Neben der Medizinischen Kräftigungstherapie setzen Sie dabei in Melbourne auch auf Kieser Training ... BeimTraining an den Maschinen können die Therapeuten genau bestimmen, mit welchemGewicht eine Muskelgruppe wie lange und in welche Richtung belastet wird. Dadurch ist das Training nicht nur effektiv und sicher, sondern kann auch sehr individuell unter speziellen Zielsetzungen eingesetzt werden. Mich hat die Zuverlässigkeit der Kieser Training-Prinzipien beeindruckt. Interview: Michaela Rose |